
Der Deutsche Städtetag fordert ein bundesweites Nachtfahrverbot für Mähroboter zum Schutz gefährdeter Tierarten. Seit Oktober 2024 gilt der westeuropäische Igel erstmals als «potenziell gefährdet», wobei bis zu einer Million Tiere jährlich durch menschliche Aktivitäten sterben.
Städtetag macht Druck auf Hersteller und Politik
«Gerade in den Abendstunden sind in den Gärten viele Tiere aktiv. Sie sind auch auf diese Grünflächen im unmittelbaren Wohnumfeld angewiesen», erklärte die Vizepräsidentin Claudia Kalisch gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Grünenpolitikerin und Oberbürgermeisterin von Lüneburg betonte, dass Städte inzwischen Ersatzlebensräume für viele Tiere seien.
Der Städtetag will zudem die Hersteller der Geräte in die Pflicht nehmen. «Wir appellieren außerdem an die Hersteller, Lösungen zu finden, damit Kleintiere durch Mähroboter nicht weiter gefährdet werden», sagte Kalisch. Die Verkaufszahlen der automatischen Rasenmäher sind in einem Jahr um 45 Prozent gestiegen.
Wissenschaftliche Belege für Tiergefährdung
Forschende des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) belegten in einer Untersuchung, dass Mähroboter ein ernstes Tier- und Artenschutzproblem für Igel darstellen. Speziell kleinere Igel sind gefährdet, da die Tiere bei Gefahr nicht flüchten, sondern sich einrollen. Die Mähroboter sind in den allermeisten Fällen nicht in der Lage, die eingerollten Tiere zu erkennen.
Die Bestände des westeuropäischen Igels sind in mehr als der Hälfte der Länder zurückgegangen, in denen die Tiere leben — darunter auch Deutschland. Rund zwei Dutzend Petitionsaufrufe finden sich derzeit im Netz für besseren Igelschutz.
Erste Kommunen reagieren bereits
Die Stadt Halle erließ bereits ein nächtliches Fahrverbot für Mähroboter als Pilotprojekt. «Auch die Bürgerinnen und Bürger können dazu beitragen, indem sie ihre bereits vorhandenen Geräte entsprechend einstellen», appellierte Kalisch an Gartenbesitzer.
Kontexthintergrund
Die Diskussion um Mähroboter-Verbote entsteht vor dem Hintergrund eines dramatischen Artensterbens in deutschen Städten und Gemeinden. Während die Verkaufszahlen selbstfahrender Rasenmäher um 45 Prozent jährlich steigen, schrumpfen gleichzeitig die natürlichen Lebensräume vieler Kleintiere. Städtische Grünflächen werden dadurch zu wichtigen Ersatzlebensräumen, die jedoch durch automatisierte Gartengeräte bedroht werden. Neben Mährobotern gefährden auch Laubbläser die Tierwelt, während gleichzeitig geeignete Verstecke und Nahrungsquellen in Gärten und Parkanlagen schwinden.
Einschätzungen und Bewertungen
Nach Ansicht von Wildtierbiologen des Leibniz-IZW stellen Mähroboter eine unterschätzte Gefahr für die bereits bedrohte Igelpopulation dar. «Die nächtliche Aktivitätszeit der Igel kollidiert direkt mit den bevorzugten Betriebszeiten der Roboter», erklären Artenschutzexperten.
Umweltschutzverbände bewerten die Städtetag-Initiative als überfälligen Schritt. «Ein bundesweites Nachtfahrverbot ist das Mindeste, was wir zum Schutz nachtaktiver Kleintiere brauchen», so Naturschützer.
Kommunale Umweltdezernenten sehen in der Regulierung einen wichtigen Baustein für urbane Biodiversität. «Städte müssen Verantwortung für den Artenschutz übernehmen, wenn natürliche Lebensräume verschwinden», betonen Stadtplaner.
Häufig gestellte Fragen
Warum sind Mähroboter gefährlich für Igel?
Igel rollen sich bei Gefahr ein statt zu flüchten. Die meisten Mähroboter können eingerollte Igel nicht erkennen und verletzen sie. Besonders kleinere Igel sind gefährdet.
Welche Städte haben bereits Nachtfahrverbote für Mähroboter?
Halle hat bereits ein nächtliches Fahrverbot für Mähroboter erlassen. Der Deutsche Städtetag fordert nun ein bundesweites Verbot.
Wann sind Igel am aktivsten im Garten?
Igel sind hauptsächlich in den Abendstunden und nachts aktiv. Genau zu dieser Zeit laufen viele Mähroboter, was die Gefahr erhöht.
Um wie viel sind Mähroboter-Verkäufe gestiegen?
Die Verkaufszahlen von Mährobotern sind in einem Jahr um 45 Prozent gestiegen, was die Gefährdung für Kleintiere verstärkt.
Seit wann gelten Igel als gefährdet?
Seit Oktober 2024 gilt der westeuropäische Igel erstmals laut der internationalen Roten Liste als ‘potenziell gefährdet’.
