
Die Ukraine hat in der Nacht zum Sonntag mit 87 Drohnen strategische Ölanlagen in Russland angegriffen und dabei Brände bei Lukoil-Objekten sowie im Hafen Primorsk ausgelöst. Laut dem russischen Verteidigungsministerium wurden alle 87 ukrainischen Drohnen über russischem Territorium abgeschossen, wobei herabfallende Trümmer dennoch Schäden verursachten.
Lukoil-Anlagen brennen nach Drohnentrümmern
In der Oblast Nischni Nowgorod östlich von Moskau gingen nach Angaben von Gouverneur Gleb Nikitin zwei Objekte des Ölkonzerns Lukoil in Flammen auf, nachdem Trümmer von 30 abgeschossenen ukrainischen Drohnen herabfielen. Die Angriffe beschädigten zusätzlich Wohnhäuser und ein Heizkraftwerk, was zu Stromausfällen führte. Verletzte wurden nach vorläufigen Angaben nicht gemeldet.
Parallel dazu meldete Gouverneur Alexander Drosdenko aus der Oblast Leningrad erneute Angriffe auf den strategisch wichtigen Hafen Primorsk. An einer Ölleitung entstand ein Brand, den die Behörden als «ungefährlich» einstuften. Insgesamt wurden dort 19 ukrainische Drohnen abgefangen.
Systematische Angriffe auf Energieinfrastruktur
Die Ukraine zielt systematisch auf russische Energieanlagen ab, um Moskaus Einnahmen aus dem Verkauf von Öl und Gas zu reduzieren. Mit diesen Erlösen finanziert Russland seine Kriegswirtschaft im seit über vier Jahren andauernden Angriffskrieg.
Moskau reagierte Anfang Juli 2024 mit einem neuen Benzin-Exportverbot bis Ende Juli, um die Preise angesichts der angespannten Lage auf den Energiemärkten zu stabilisieren. Gleichzeitig greift Russland weiterhin ukrainische Öl- und Gasinfrastruktur sowie zivile Ziele an.
Russische Vergeltungsschläge treffen Zivilisten
Als Reaktion auf die ukrainischen Angriffe bombardierte Russland in der Nacht zum Sonntag Wohngebäude in Odessa, wobei mindestens drei Menschen verletzt wurden. Am Samstag tötete ein russischer Drohnenangriff auf einen Markt in der Region Dnipropetrowsk mindestens fünf Zivilisten.
Kontextueller Hintergrund
Die gezielten Angriffe auf russische Energieinfrastruktur sind Teil der ukrainischen Strategie, die wirtschaftlichen Grundlagen des russischen Krieges zu schwächen. Seit Beginn der Invasion im Februar 2022 haben beide Seiten ihre Angriffe auf kritische Infrastruktur intensiviert. Während die Ukraine vorrangig militärische und wirtschaftliche Ziele angreift, treffen russische Angriffe häufig auch zivile Einrichtungen und Wohngebiete.
Einschätzungen und Bewertungen
Laut Militäranalyst Michael Kofman vom Center for Naval Analyses zeigen die ukrainischen Drohnenangriffe eine zunehmende Fähigkeit, strategische Ziele tief im russischen Territorium zu treffen. «Diese Angriffe zwingen Russland, Luftabwehrressourcen umzuverteilen», so Kofman.
Der Energieexperte Mikhail Krutikhin vom RusEnergy-Beratungsunternehmen betont, dass die wiederholten Angriffe auf Lukoil-Anlagen und Häfen wie Primorsk Russlands Ölexportkapazitäten erheblich belasten. «Jeder Ausfall kostet Moskau Millionen an täglichen Einnahmen», erklärt Krutikhin.
Gustav Gressel vom European Council on Foreign Relations sieht in den Angriffen eine logische Eskalation: «Die Ukraine nutzt ihre begrenzten Ressourcen, um maximalen wirtschaftlichen Schaden zu verursachen und die russische Kriegsfinanzierung zu untergraben.»
Häufig gestellte Fragen
Wie viele ukrainische Drohnen griffen russische Ölanlagen an?
Laut dem russischen Verteidigungsministerium wurden insgesamt 87 ukrainische Drohnen über russischem Territorium abgeschossen, davon 30 in der Oblast Nischni Nowgorod und 19 in der Oblast Leningrad.
Welche Schäden entstanden bei den Lukoil-Anlagen?
Herabfallende Trümmer abgeschossener Drohnen setzten zwei Lukoil-Objekte in Brand. Zusätzlich wurden Wohnhäuser und ein Heizkraftwerk beschädigt, was zu Stromausfällen führte.
Warum greift die Ukraine russische Energieanlagen an?
Die Ukraine zielt darauf ab, Russlands Einnahmen aus Öl- und Gasverkäufen zu reduzieren, mit denen Moskau seine Kriegswirtschaft finanziert. Dies ist Teil der ukrainischen Verteidigungsstrategie.
Gab es Verletzte bei den Drohnenangriffen?
In Russland wurden nach vorläufigen Angaben keine Verletzten gemeldet. Bei russischen Vergeltungsschlägen auf Odessa wurden jedoch mindestens drei Menschen verletzt.
