Die CDU/CSU (Christlich Demokratische Union/Christlich-Soziale Union) bildet seit 1949 eine der prägendsten politischen Kräfte in Deutschland. Diese Schwesterparteien repräsentieren das konservative und christdemokratische Spektrum der deutschen Politik und stellten mit Konrad Adenauer, Helmut Kohl und Angela Merkel drei der einflussreichsten Bundeskanzler der Bundesrepublik. Mit über 400.000 Mitgliedern bundesweit (CDU: ca. 380.000, CSU: ca. 140.000 Stand 2023) gehört die Union zu den mitgliederstärksten Parteien Europas. Ihre Politik prägte entscheidend die deutsche Nachkriegsordnung, die Wiedervereinigung 1990 und die europäische Integration. Aktuell unter der Führung von Friedrich Merz (CDU) und Markus Söder (CSU) befindet sich die Union in der Opposition und bereitet sich auf die nächsten Bundestagswahlen vor, bei denen sie nach aktuellen Umfragen wieder stärkste Kraft werden könnte.
Geschichte und Entwicklung der CDU/CSU
Die CDU wurde am 26. Juni 1945 in Berlin gegründet, während die CSU am 13. Oktober 1945 in Bayern entstand. Beide Parteien schlossen 1949 eine dauerhafte Fraktionsgemeinschaft im Deutschen Bundestag. Unter Konrad Adenauer (1949-1963) etablierte die Union die Westbindung und die soziale Marktwirtschaft. «Keine Experimente» lautete 1957 der erfolgreiche Wahlslogan, der zur absoluten Mehrheit führte.
Die Ära Helmut Kohl (1982-1998) markierte einen weiteren Höhepunkt: 16 Jahre Kanzlerschaft, deutsche Wiedervereinigung und europäische Integration. Kohl sagte 1989: «Mein Ziel bleibt die geistig-moralische Wende.» Seine Politik führte zur Schaffung des Euro und zur EU-Osterweiterung.
Mit Angela Merkel (2005-2021) stellte die CDU erstmals eine Bundeskanzlerin. Ihre 16-jährige Amtszeit war geprägt von der Finanzkrise 2008, der Flüchtlingskrise 2015 («Wir schaffen das!») und der Corona-Pandemie. Unter Merkel erreichte die CDU/CSU 2013 mit 41,5% ihr bestes Bundestagswahlergebnis seit 1990.
Programmatische Ausrichtung und Kernpunkte
Das Grundsatzprogramm der CDU von 2007 basiert auf dem christlichen Menschenbild und den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft. Zentrale Werte sind Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit. Die CSU ergänzt diese durch einen stärkeren Fokus auf konservative Familienwerte und bayerische Traditionen.
Aktuelle programmatische Schwerpunkte umfassen:
- Wirtschaftspolitik: Stärkung des Mittelstands, Digitalisierung, Bürokratieabbau
- Sicherheitspolitik: Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf 2% des BIP, starke transatlantische Partnerschaft
- Europapolitik: Vertiefung der EU-Integration bei Wahrung nationaler Souveränität
- Migrationspolitik: Kontrollierte Zuwanderung, konsequente Abschiebung
Aktuelle Führung und Struktur
Friedrich Merz wurde im Januar 2022 mit 94,17% zum CDU-Vorsitzenden gewählt und führte die Partei zurück zu konservativeren Positionen. «Die CDU muss wieder CDU werden», erklärte Merz bei seiner Antrittsrede. Als ehemaliger Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion (2000-2002) und BlackRock-Manager bringt er sowohl politische als auch wirtschaftliche Expertise mit.
Markus Söder, seit 2019 CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident, profiliert sich als konservativer Gegenpol zur Ampel-Koalition. Bei der Landtagswahl 2023 erzielte die CSU unter seiner Führung 37,0% und blieb stärkste Kraft in Bayern.
Verbindungen zu anderen politischen Akteuren
Die CDU/CSU unterhält enge Beziehungen zur Europäischen Volkspartei (EVP), der größten Fraktion im Europäischen Parlament. Friedrich Merz pflegt Kontakte zu Emmanuel Macron und anderen europäischen Mitte-Rechts-Politikern. In Deutschland kooperierte die Union historisch mit der FDP (schwarz-gelbe Koalitionen 1982-1998, 2009-2013) und der SPD (Große Koalitionen 2005-2009, 2013-2021). Auf Länderebene regiert die CDU teilweise mit Bündnis 90/Die Grünen, wie in Baden-Württemberg unter Winfried Kretschmann.
Die Abgrenzung zur AfD bleibt ein zentrales Thema, wobei die Union einen klaren Unvereinbarkeitsbeschluss aufrechterhält. Gleichzeitig konkurriert sie um konservative Wähler, besonders in den östlichen Bundesländern.
Zusammenfassend bleibt die CDU/CSU trotz der Wahlniederlage 2021 (24,1%) eine der stabilsten politischen Kräfte Deutschlands. Mit ihrer jahrhundertealten Geschichte, klaren programmatischen Ausrichtung und erfahrenen Führung unter Merz und Söder positioniert sich die Union für eine Rückkehr an die Regierungsspitze. Aktuelle Umfragen sehen die Union bei etwa 30-32%, was ihre anhaltende Bedeutung im deutschen Parteiensystem unterstreicht.
Häufig gestellte Fragen
Wer führt derzeit die CDU/CSU?
Friedrich Merz ist seit Januar 2022 CDU-Vorsitzender, während Markus Söder seit 2019 die CSU führt. Beide leiten gemeinsam die CDU/CSU-Bundestagsfraktion als Oppositionsführer.
Wie viele Bundeskanzler stellte die CDU/CSU?
Die CDU/CSU stellte vier Bundeskanzler: Konrad Adenauer (1949-1963), Ludwig Erhard (1963-1966), Helmut Kohl (1982-1998) und Angela Merkel (2005-2021).
Was unterscheidet CDU und CSU voneinander?
Die CDU ist bundesweit aktiv (außer in Bayern), während die CSU nur in Bayern antritt. Die CSU ist traditionell konservativer und betont stärker bayerische Besonderheiten, beide arbeiten jedoch als Schwesterparteien zusammen.
Wie erfolgreich war die CDU/CSU bei der letzten Bundestagswahl?
Bei der Bundestagswahl 2021 erreichte die CDU/CSU 24,1% der Zweitstimmen und wurde zweitstärkste Kraft hinter der SPD (25,7%). Dies war das schlechteste Ergebnis seit 1949.
Welche Koalitionen ging die CDU/CSU in der Geschichte ein?
Die Union regierte in verschiedenen Koalitionen: mit FDP (1949-1966, 1982-1998, 2009-2013), mit SPD in Großen Koalitionen (1966-1969, 2005-2009, 2013-2021) und kurzzeitig mit FDP und DP in den 1950er Jahren.

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